Umfrage

Im Rahmen unseres Projektkurses, welcher sich mit dem Thema Nationalsozialismus und Antisemitismus im Allgemeinen beschäftigt hat, haben wir eine Umfrage erstellt, um herauszufinden inwiefern Antisemitismus auch in unserer heutigen Gesellschaft vertreten ist und was es für Parallelen gibt. Diese Umfrage haben wir sowohl im Internet, als auch auf der Straße durchgeführt. Wir wollten damit herausfinden inwiefern sich die Ergebnisse, aufgrund der Anonymität des Internets, unterscheiden. Wir haben dabei erwartet dass die Menschen im Internet offener sind.

Im Folgenden werde ich erst einmal die von uns gestellten Fragen näher erläutern und erklären worauf wir damit schließen wollten.

Die ersten drei Fragen: „Wie alt sind Sie?“,  „Was für einen Beruf üben Sie aus?“, sowie ob die Teilnehmer Männlich oder Weiblich sind, dienten erst einmal dem Zweck die Teilnehmer in Gruppen einzuteilen und später herauszufinden, inwiefern es Parallelen zwischen den einzelnen sozialen Gruppen gibt.

„Welche Konfession haben Sie?“: Damit wollten wir auch im Hinblick auf den zum damaligen Zeitpunkt aktuellen Nah-Ost-Konflikt gucken, ob muslimische Menschen, aufgrund der Tatsache, dass sie indirekt dadurch betroffen sind, eine höhere Tendenz haben antisemitische Stereotypen zu bedienen.

„Würden Sie sagen, dass Sie Vorurteile gegenüber Andersgläubigen haben?“: Viele Menschen sind der Meinung, dass sie keine Vorurteile gegenüber Andersgläubigen haben. Wir wollten sehen, wie genau diese Menschen auf die späteren Fragen antworten und ob ihre Selbsteinschätzung sich bewahrheitet.

„Kennen Sie Juden persönlich?“: Die meisten Vorurteile entstehen dadurch, dass die Menschen garkeinen Kontakt mit der betroffenen „Minderheit“ haben. Auch hier wollten wir wieder sehen, ob es Parallelen zwischen den Menschen die selber Juden kennen und diesen die es nicht tun gibt.

„Wenn Sie Arbeitgeber wären, würden sie dann Juden einstellen?“ Diese ziemlich direkt gestellte Frage sollte quasi die offensichtlichen Antisemiten „raus filtern“. Außerdem wollten wir herausfinden, ob diese Frage in der Anonymität des Internets häufiger mit ’nein‘ beantwortet wird. (Da Menschen selbst erkennen, dass deren Denkweise falsch ist, dass aber nur anonym angeben wollen)

„Die Juden haben zu viel Einfluss“: Auch hier wollten wir uns wieder auf die Vorkommnisse des Nah-Ost-Konflikts beziehen und gucken, wie die Menschen dazu stehen. Desweiteren wurden mit diesem „Argument“ damals zur NS-Zeit die Menschen gegen die Juden aufgestachelt. Die Frage sollte herausfinden wie weit dieser Glaube noch heute verbreitet ist.

„Viele Juden versuchen heute, aus der Vergangenheit einen Vorteil zu ziehen“: Manche Menschen sind der Meinung, dass die Juden sich auch heute noch in eine Opferrolle versetzen und versuchen daraus einen Vorteil zu ziehen.

„Man sollte nun endlich einen Schlussstrich unter die Vergangenheit setzen?“ Die Frage bezieht sich auf die Rede von Björn Höcke der meine, man sollte endlich aufhören sich für die Vergangenheit schuldig zu fühlen. Der von uns ausgelebte „Schuldkult“ sei längst überholt. Dieses Thema haben wir auch als Leitfaden und vorläufiges Oberthema unseres Projektes genommen.

„Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert.“ Einer der Hauptgründe warum Hitler damals an die Macht gekommen war, ist, dass die Menschen einen starken Führer wollten, der ihnen Sicherheit gibt. Wir wollten wissen inwiefern sich dies wiederholt. Auch in Hinsicht auf die Afd.

 

„Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.“ Viele ausländerfeindlichen Leute und gerade die Afd, predigt immer, dass wir durch zu viele Ausländer unsere Kultur verlieren würden. Wir wollten herausfinden wie weit dieser Glaube verbreitet ist.

„Hatte der Nationalsozialismus auch gute Seiten?“ Der Nationalsozialismus hat auch vermeidlich gute Seiten gehabt, wie z.B. eine Verminderung der Arbeitslosenrate. Wir wollten herausfinden, ob auch heute noch Menschen denken, dass so etwas eine Lösung sei um Probleme zu beheben.

 

Nun werde ich die Ergebnisse der Umfrage erläutern und erklären, was wir daraus schließen können. Danach werde ich noch auf ein paar Einzelbeispiele eingehen, die mir interessant scheinen.

 

Frage 1


Bei dieser Frage ist die Formation leider etwas verrutscht, so dass die Fragen jeweils doppelt da stehen. Wie wir jedoch trotzdem sehen können ist wie erwartet ein Großteil der Befragten, nämlich ungefähr 60% der Meinung, dass sie keinerlei Vorurteile gegenüber Andersgläubigen haben. Jedoch waren auch etwa ein Drittel der Befragten ehrlich zu sich und haben eingestanden, dass sie evtl. doch Vorurteile haben. Anders sieht dies auf der Straßenumfrage aus:

 

Hier waren 80% der Befragten der Meinung, dass sie keine Vorurteile haben. Dies könnte an zwei Gründen liegen. Einerseits könnten die Befragten sich durch den direkten Kontakt zu anderen Menschen bedrängt gefühlt haben so auf die Frage zu antworten, da schließlich niemand als Rassist dastehen will der Vorurteile hat. Andererseits könnte es auch an dem höheren Durchschnittsalter gelegen haben, da ältere Menschen sich weniger mit solchen Fragen beschäftigen.: siehe Alter

 

Interessant hierbei ist es wie wenig Leute tatsächlich Juden kennen. Entgegen unserer Erwartungen, lässt sich allerdings kein direkter Zusammenhang erkennen  im Hinblick auf die nächsten Fragen. Die Menschen, die keine Juden kennen sind also gleichermaßen antisemitisch, oder nicht, wie die jenigen die welche kennen.

 

 

Auch in der Straßenumfrage lässt sich dieses Muster bestätigen. Es gibt mehr Leute die keine Juden kennen, als welche die es tun. Hier gibt es allerdings auch ein paar Menschen die gar nicht wissen, ob sie welche kennen. Das heißt dass es wohl in unserer heutigen Gesellschaft fast keine Rolle spielt welcher Konfession jemand angehört.

 

 

Auch hier ist wieder der Großteil, mit 60%, der Meinung dass dies nicht zutrifft. 30% wissen nichts dazu und etwa 9% sind der Meinung das dies teils zutrifft. Aus den Einzelantworten der Befragten lässt sich hier ein Muster erkennen. Diejenigen die dieser Aussage eher zustimmen, weisen auch bei den anderen Antworten antisemitische Antworten auf.

 

 

Bei der Straßenumfrage sind die Antworten viel klarer. Es haben mehr Menschen die Frage mit ‚ich stimme nicht zu‘ beantwortet. Außerdem haben die Leute, die der Aussage zustimmen die Frage eher mit ‚ich stimme voll zu‘ beantwortet, während die Leute in der Internetumfrage (wenn man die Trolls rausnimmt) die Frage eher nur mit ’stimme teils zu‘ beantwortet haben. Auch dies könnte an dem höheren Durchschnittsalter liegen.

 

 

Hier ist das Ergebnis schon etwas verteilter. Nur 36% sind der Meinung, dass die Aussage nicht zutrifft. Über 18% sind der Meinung das dies zumindest teils zutrifft. Menschen die dieser Aussage eher zustimmen, waren auch öfters der Meinung, dass Deutschland jetzt eine starke Partei braucht. Desweiteren lies sich noch ein Zusammenhang herstellen: Muslimische Teilnehmer haben eher dazu tendiert dieser Aussage zuzustimmen. Dies sind jedoch nur Tendenzen und treffen natürlich nicht in jedem Fall zu. Interessant ist außerdem, dass die Mehrheit mit 40% sich zu dieser Frage nicht geäußert haben. Dies könnte daran liegen, dass der Großteil der Befragten keine Juden kennt, und sich auch nicht über den Palästina-Konflikt informiert hat.

Die Hälfte der Befragten stimmt der Aussage nicht zu und 16% hatten eine Antwort parat. Nur etwas über einem Drittel stimmt der Aussage zu. Dies ist etwas mehr als bei der Internetumfrage. Überaschend ist dabei, dass die Menschen bei der Frage sehr offen waren und keine Hemmungen hatten dieser Aussage zuzustimmen.

 

 

Diese Frage war bei der gesamten Umfrage wohl die mit den am meiste verteilten Antworten. Die erste Auffälligkeit ist dass sich so gut wie alle zu dieser Frage geäußert haben. Der Großteil der Befragten war der Meinung, dass man tatsächlich einen Schlussstrich ziehen sollte. Nur lediglich 19% waren dagegen. Die Menschen die dieser Aussage zustimmten weisen jedoch bei den anderen Fragen keine antisemitischen Merkmale auf. Das heißt, dass die Leute die einen Schlussstrich wollen nicht den Holocaust leugnen oder ähnliches wollen. Sondern lediglich nicht mit den Ereignissen der Vergangenheit in Verbindung gebracht werden wollen.

 

 

Bei der Straßenumfrage war die Meinung schon eher geteilter. Ein Großteil stimmt der Aussage zwar immer noch zu, jedoch sind fast 40% klar dagegen. Auch dies lässt darauf schließen, dass die Leute auf der Straße eher dazu neigen eine gesellschaftlich erwartete Antwort zu liefern, wenn sie anderen Personen direkt gegenüber stehen und nicht anonym sind.

 

 

Hier waren etwa 45% dagegen. Doch auffällig ist, dass etwas über ein Drittel der Befragten der Aussage zumindest zum Teil zustimmten. Auch hier lässt sich wieder eine Tendenz erkennen: Diejenigen die dieser Aussage eher zustimmen, weisen eine höhere Tendenz auf, der nächste Frage (Die Bundesrepublik ist in einem starken Maß überfremdet) auch zuzustimmen. Doch auch hier gibt es wieder Ausnahmen und es ist lediglich eine Tendenz.

 

 

Bei der Straßenaussage stimmen fast  80% der Befragten dieser Aussage nicht zu, und nur lediglich 15% stimmen zu. Auch hier lässt sich wieder erkennen, dass die Menschen auf der Straße sich durch das Gegenüberstehen einer anderen Person dazu genötigt fühlen eine „liberale“ Antwort zu liefern, auch wenn sie evtl. anders denken.

 

60% stimmen dieser Aussage nicht zu, doch etwa etwas über 30% stimmen zu. Wie schon vorhin angedeutet besteht ein Zusammenhang zwischen dieser und letzter Frage. Diejenigen die denken, die Bundesrepublik sei überfremdet, wünschen sich eine starke Partei um sie von ihrer „Angst“ zu befreien.

 

 

Wie auch bei all den anderen Fragen sind die Antworten hier klarer. 75% stimmen nicht zu, 11% stimmen teils zu und 15% stimmen voll zu. Desweiteren lässt sich auch hier wieder erkennen, dass die Verteilung eher so ist wie man sie von der Gesellschaft erwarten würde.

 

 

Die Menschen die dieser Frage zugestimmt haben waren entweder Trolle, oder wiesen auch bei all den anderen Fragen klar antisemitische Merkmale auf. Es gab lediglich ein paar Leute die diese Frage mit ‚ja‘ beantwortet haben, jedoch auch sonst nicht antisemitisch waren. Daraus lässt sich schließen, dass relativ viele Menschen auch gute Dinge im Nationalsozialismus gesehen haben, und sich unter Anderem auch die vermeidliche Sicherheit vor den Ausländern zurückwünschen. Wie bereits vorhin erwähnt, haben die meisten Teilnehmer die hier zugestimmt haben, auch den Fragen‘ Deutschland braucht eine starke Partei‘, sowie ‚Deutschland ist überfremdet‘ zugestimmt.

 

Auch in der Straßenumfrage trifft dies zu. Die gleichen Menschen die vorher antisemitische Tendenzen aufgewiesen haben, stimmen auch dieser Frage zu.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass zwar nicht alle unserer Hypothesen sich bestätigt haben, jedoch ziemlich viele. Die Menschen auf der Straßenumfrage haben erwartungsgemäß eher gesellschaftlich und politisch korrekt geantwortet, als die Menschen im Internet. Dies liegt daran, dass sie im Internet anonym sind, was nicht öffentlich bekennenden Antisemiten, so wie auch „Trollen“ eine Plattform bietet. Desweiteren ließ sich auch bestätigen, dass viele Menschen die von sich selber denken sie hätten keine Vorurteile, sich antisemitischen Stereotypen zuordnen ließen.

Wir haben versucht unsere Umfrage weitläufig zu verbreiten. Jedoch hat sie aufgrund unseres eher liberalen Bekanntenkreises nicht wirklich unsere „Filterblase“ verlassen, und ist so nicht so weit in rechte Kreise geraten wie wir es erwartet haben.

Geschrieben von David Fuhrmann

Die Umfrage wurde erstellt und durchgeführt von: David Fuhrmann, Robert Joel, Bianca Hodoroga, Vanessa Hollands, Finja Gaug und Eva Abt